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    Guido Reinking

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Neuer CO2-Grenzwert: Gut für Porsche, schlecht für Dacia

Der neue Grenzwert für CO2 in der EU wird die europäische Automobilindustrie auf den Kopf stellen – im wahrsten Sinne des Wortes. Wurde bisher die Emissionspolitik nach dem Motto „Friede den Kleinwagen, Krieg den Luxuslimousinen“ gemacht, ist es nun plötzlich umgekehrt. Der Grenzwert von rund 60 Gramm CO2 pro Kilometer, den die EU für 2030 festgelegt hat, ist für Porsche sehr viel leichter zu erreichen als zum Beispiel für Dacia. Die Folgen sind jetzt schon spürbar: Bei Volkswagen ist zu hören, dass der Kleinwagen Up eingestellt wird. Opel hat den Adam bereits gestoppt. Und Daimler denkt auch beim Smart ans Aufhören. Der Grund liegt auf der Hand: Preiswerte Kleinwagen sind künftig kaum mehr profitabel zu fertigen. Wer wie Dacia mit Kunden zu tun hat, die im Schnitt 15.000 Euro für ihren Neuwagen ausgeben, wird sich schwertun, zu diesem Preis ein Auto anzubieten, das den künftigen EU-Grenzwert erreicht.

Denn das geht nur durch den Einbau zumindest eines Plug-in-Hybrid-Antriebs, also einer an der Steckdose aufladbaren Batterie und eines Elektromotors plus der entsprechenden Steuerung. Will man mit einem solchen Auto Geld verdienen, muss es mindestes 25.000 Euro kosten. Ein Fahrzeug wie den Dacia Sandero, der schon für 7000 Euro zu haben ist, wird es dann nicht mehr geben. Der Sandero ist mit 117 Gramm CO2 angegeben. Diesen Wert zu halbieren, ist nur unter erheblichem technischen und damit finanziellen Aufwand möglich. „Autofahren wird teuerer“, sagte kürzlich Skoda-Chef Bernhard Maier auf die Frage, was deutlich strengere CO2-Regeln bedeuten. Auch für die preisbewusste Skoda-Klientel kommt das teure Ende noch.

Porsche Cayenne e-Hybrid: Der 2,3 Tonnen schwere SUV kann den neuen CO2-Grenzwert schon heute locker schaffen.

Ganz anders Porsche: Rund 100.000 Euro gibt der durchschnittliche Porsche-Kunde für sein Auto aus. Für die Zuffenhausener ist es ein Leichtes, zu diesem Preis einen teil- oder vollelektrischen Antrieb einzubauen und damit noch Geld zu verdienen. Beispiel Porsche Cayenne: Als e-Hybrid, also mit Sechszylinder-Benziner und einem Elektroantrieb nebst Batterie, kann der Cayenne rund 40 Kilometer elektrisch fahren. Nach EU-Norm verursacht dieses Auto 78 Gramm CO2 pro Kilometer. Preis: 90.000 Euro. Mit einer etwas größeren Batterie ist der Cayenne problemlos auch mit 60 Gramm CO2 darstellbar. Und die paar tausend Euro mehr, die das kostet, tun dem Porsche-Kunden nicht weh. In der schönen neuen Welt der EU wird der Cayenne-Fahrer also künftig aus seinem 2,4 Tonnen schweren Luxus-SUV auf den Dacia-Fahrer herabsehen, der für seinen Neuwagen plötzlich den dreifachen Preis zahlen muss.       Guido Reinking

Verbrenner-Verbot: Autobranche stellt sich selbst ein Bein

Die Forderung des Bundesrates, ab 2030 keine Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor mehr in Deutschland zuzulassen, hat in den Führungsetagen der deutschen Autohersteller und Zulieferer für Entsetzen gesorgt. Dort weiß man, dass ohne die Gewinne aus dem Verkauf herkömmlicher Fahrzeuge die Investitionen in die derzeit noch unprofitable E-Mobilität – und viele andere Themen – kaum möglich sind.

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